Aktienanleihen sind strukturierte Wertpapiere, die Eigenschaften von klassischen Anleihen und von Aktien aufweisen (nähere Beschreibungen zu Anleihen und Aktien findest du im Modul Grundlagen Börse). Sie werden von Banken emittiert und sind mit einem festen Nennbetrag, einer festgelegten Laufzeit sowie einem Zinssatz ausgestattet. Im Unterschied zu herkömmlichen Anleihen hängt die Rückzahlung am Laufzeitende davon ab, wie sich eine bestimmte Aktie oder ein Index – der sogenannte Basiswert – entwickelt. Du kannst also Zinsen vereinnahmen, trägst aber auch das Risiko, am Ende einen Verlust zu erleiden, wenn der Kurs des Basiswerts gefallen ist. Du erhältst dann in der Regel eine bestimmte Menge des Basiswerts geliefert.
Aktienanleihen eignen sich für Dich, wenn Du von seitwärts tendierenden oder leicht fallenden / steigenden Märkten ausgehst. Solange der Kurs des Basiswerts am Ende der Laufzeit nicht unter einen festgelegten Basispreis fällt, erhältst Du am Laufzeitende den Nennbetrag als Rückzahlungsbetrag. Zusätzlich profitierst Du in jedem Fall, und damit unabhängig von der Entwicklung des Basiswerts, von der festgelegten Zinszahlung. Damit können Aktienanleihen besonders dann für Dich interessant sein, wenn Du zwar einen Ertrag erzielen möchtest, aber nur eine moderate Risikobereitschaft hast und einen direkten Aktienkauf scheust.
2. Kurs des Basiswerts < Basispreis
Betrachten wir nun folgende beispielhafte Aktienanleihe auf die HSBC-Masterclass-Aktie:
Zum Erwerb dieser Aktienanleihe musst Du zum Kauf insgesamt 1.000,00 EUR bezahlen. Der Wert ergibt sich aus dem Briefkurs von 100,00 % und dem Nennbetrag. An der Notierung in Prozent erkennst Du auch den Anleihecharakter. Zum Briefkurs sind noch die Stückzinsen zuzurechnen, die anteilig für die Zeit zu entrichten sind, in der Du noch nicht im Besitz der Aktienanleihe warst. In diesem Beispiel sind sie bei 0,00 EUR, da wir zur Vereinfachung davon ausgehen, dass die Aktienanleihe neu emittiert wurde und Du sie am Emissionstag gekauft hast.
Abgrenzung: „Exkurs Stückzinsen“:
Beim Kauf von verzinslichen Wertpapieren fallen in der Regel zusätzlich zum Kaufkurs sogenannte Stückzinsen für die Laufzeit an, in der Du noch kein Anleiheinhaber warst. Andernfalls wärst Du im Vergleich zu bereits investierten Anlegern bevorteilt, da lediglich denjenigen die gesamte Zinszahlung zusteht, die auch zum Zeitpunkt der Zinszahlung Anleiheinhaber sind. Erwirbst Du beispielsweise eine Anleihe mit einjährigem Zinslauf ein halbes Jahr vor dessen Ende, so erhältst Du bei Fälligkeit die Zinszahlung für den gesamten Zinslauf. Der Zinsanteil für das erste halbe Jahr, in dem Du die Anleihe nicht gehalten hast und Dir daher auch keine Zinsen für diese Zeit zustehen, wird vor Deinem Kauf ermittelt. Du musst diesen bei Erwerb der Anleihe zuzüglich zum Briefkurs zahlen. Diese Zinsen werden Stückzinsen genannt. Zu beachten ist, dass verzinsliche Wertpapiere entweder ohne Stückzinsen, d.h. „clean“, gehandelt werden oder aber mit Stückzinsen (d.h. im Briefkurs sind die Stückzinsen bereits enthalten) sogenannte „dirty“ oder „flat“-Notierung.
Am Ende der Laufzeit kann es wie oben beschrieben zwei verschiedene Szenarien geben.
Liegt die Aktie am Bewertungstag bei 111 EUR, und damit über dem Basispreis, erhältst Du den Nennbetrag zzgl. der gesamten Zinszahlung. Die Zinszahlung beträgt 10 % bezogen auf ein Jahr Laufzeit und den Nennbetrag (und damit insgesamt 100 EUR). Du erhältst insgesamt 1.100 EUR – die Rendite* entspricht demnach 10 Prozent.
Liegt die Aktie am Bewertungstag z.B. bei 88 EUR, und damit unter dem Basispreis, erhältst Du in diesem Fall 10 Aktien geliefert. Hinzu kommt die Zinszahlung in Höhe von 100 EUR. Der rechnerische Wert der Rückzahlung entspricht somit 980 EUR. Die Zinszahlung federt den Verlust durch den gefallenen Aktienkurs damit nicht vollständig auf.
Folgendes Diagramm verdeutlicht die Gewinn- und Verlustsituation:
Es ist gut zu erkennen, dass der maximale Gewinn* mit der Aktienanleihe bereits erreicht wird, wenn der Kurs der Masterclass-Aktie am Bewertungstag bei 100 EUR (Basispreis) notiert. Liegt der Aktienkurs höher, profitierst Du mit dieser beispielhaften Aktienanleihe nicht davon. Liegt der Aktienkurs unter 100 EUR, so erhältst Du nicht mehr den maximalen Gewinn*. Bei 90 EUR liegt die Verlustschwelle. Du bekommst dann 10 Aktien geliefert, welche einen rechnerischen Gegenwert von insgesamt 900 EUR aufweisen. Sofern Du die Aktien nach dem Rückzahlungstermin unterhalb der Verlustschwelle verkaufst, tritt für Dich ein Verlust* ein. Die Zinszahlung in Höhe von 100 EUR federt die Differenz zum Kaufpreis (in diesem Beispiel zum Nennbetrag von 1.000 EUR) ab. Liegt die Aktie am Bewertungstag unter 90 EUR, so entstehen in diesem Beispiel Verluste. Je tiefer die Aktie notiert, desto höher ist der Verlust.
Aktienanleihen sind eine Mischung aus festverzinslicher Anlage und aktienbasierter Chance. Sie können sich lohnen, wenn Du von stabilen oder leicht fallenden / steigenden Märkten ausgehst und dennoch eine positive Rendite erzielen willst. Die Kehrseite: Steigen die Kurse stark, profitierst Du davon nur begrenzt. Bei deutlichen Kursrückgängen drohen Aktienlieferungen und Verluste.
*Die Angaben zur Rendite, zum Gewinn und Verlust gelten ohne Berücksichtigung möglicher Erwerbskosten. Nachfolgende Beispielrechnung verdeutlich mögliche Auswirkungen durch Transaktionskosten und den Depotpreis:
Transaktionskosten und Dein Depotpreis (soweit diese anfallen) sind in den Beispielrechnungen nicht berücksichtigt und wirken sich negativ auf die Wertentwicklung der Anlage aus. Bei einer Anlagesumme von EUR 1.000,00 werden für den Erwerb und die Veräußerung Transaktionskosten i.H.v. jeweils z.B. 1,00 % sowie ein Depotpreis i.H.v. z. B. 0,5% p.a. berechnet (die tatsächlichen Entgelte ergeben sich aus dem Preis- und Leistungsverzeichnis Deiner Bank). Die dargestellte Wertentwicklung verringert sich in diesem Beispiel bei einer unterstellten Haltedauer von fünf Jahren durch diese Entgelte um EUR 45,00. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft